1. FC Köln - VfB Stuttgart 2:2

Motivationsprobleme

Samstag morgen, 8.30 Uhr. Ich schaue aus dem Küchenfenster. Gerade versinkt das Bergische Land in einem wabernden Grau. Dauerregen peitscht gegen die Fenster,Wind tobt ums Haus ... Heute ist Bundesliga-Spieltag. Heimspiel gegen Stuttgart.

Die eine Hälfte in mir flüstert mir zu "Geh mit dem Hintern wieder insBett", "bevor du im Stadion bist, bist du nass wie eine Katze" oder sowas wie "ich weiß schon wie's ausgeht, vorne keine Tore und hinten Bolzen für die Ewigkeit".

Aber da ist auch noch die andere Hälfte, die dagegenhält und sowas wie "Raff dich auf, du fauler Sack", gerade jetzt nach Köln", "die anderen sind bestimmt auch da" oder "40 Jahre FC schmeißt man nicht so einfach weg" einsuggeriert.

Es kam,wie es kommen musste. 13.30Uhr Aufbruch nach Köln. Und, oh Wunder, hinter Burscheid klarte es auf und in Köln war es vollkommen trocken. Außerdem war es erfreulicherweise viel wärmer als bei uns. Also Jacken auf und ab ins Stadion. Einige der KL waren schon am Treffpunkt eingetrudelt. Kurzer Small-Talk, bei dem Ironie und Sarkasmus überwogen. So ist das eben, wenn es nur noch um die goldene Ananas geht. Dann ab auf die Tribüne. Obwohl fast ausverkauft, Stimmung gleich null. Irgendwie war niemandem so Recht zu Mute nach "Sing Sang". Verständlicherweise,wer besingt schon gerne seinen eigenen Tod?

Das Spiel beginnt. Stuttgart bestimmt das Spiel, aber irgendwie ohne sonderlichen Druck. Nach knapp 5 Minuten dann völlig überraschend die erste Großchance für den FC. Lottner kommt an den Ball, spielt wunderschön Scherz frei, Hildebrandt stürzt aus dem Tor und Scherz haut den Ball gegen den Pfosten. Unser Chancentod hat wieder zugeschlagen.

Das scheint die Stuttgarter wachgerüttelt zu haben. Sie nehmen peu à peu das Heft in die Hand. Und es kam, wie es kommen musste. Unsere Abwehrstrategen Springer und Dogan greifen H. Heldt an, aber nicht hintereinander stehend, damit einer den Fehler des anderen ausbügeln kann, nein parallel zueinander, so nahm Heldt einfach den Weg durch die Mitte, spielte den Ball ungehindert in die Mitte und Meissner knallte den Ball unter die Latte. Da gab es für Wessels nichts zu halten.

Nachdem sich der FC vom ersten Schock erholt hatte - darin hat man ja mittlerweile Erfahrung -, hielten unsere Jungs erfreulicherweise munter dagegen. Das anwesende Publikum honorierte dies mit Anfeuerung und zum ersten Mal kam sowas wie Stimmung auf. Vorwiegend Lottner sorgte mit einigen schönen Pässen für Wirbel in und um den Stuttgarter Strafraum. Und als alle dachten, es ginge mal wieder mit einem Rückstand in die Kabinen, passte Springer auf Scherz, der sah Kringe frei stehen und der brauchte nur noch seinen Fuß hinzuhalten und Hildebrandt war geschlagen. 1:1, na endlich, es geht doch.

Nach einer Viertelstunde in der 2. Halbzeit geht es dann Schlag auf Schlag.
62. Minute - Kurany zielt am rechten Pfosten vorbei.
71. Minute - Scherz gewinnt irgendwie ein Kopfball-Duell gegen Bordon, der Ball fliegt zu Feulner und der haut einfach mal drauf und trifft. 2:1.
72. Minute - Eckball für Stuttgart, ein Stuttgarter köpft den Ball Richtung Kölner Tor, eigentlich keine große Gefahr, da Lottner den Ball auf der Linie stehend locker weggedroschen hätte. Aber wer hält seinen Schädel dazwischen und köpft ins eigene Tor?
Richtig, da war er wieder, unser Chancentod. Wenn schon nicht ins gegnerische dann wenigstens ins eigene Tor. "Tor ist Tor" hat er sich wohl gedacht. Das Eigentor gegen Gladbach hat nicht gereicht. So kommt man wenigstens in die Zeitung.

Zu erwähnen sind noch zwei Großtaten unseres Helden: So um die 83. Minute übersieht er bei einer Flanke den einschussbereiten Heinrich und nimmt ihm dessen Chance. Kkurz vor Schluss hätte er wieder alles gut machen können, als ihm eine Flanke von rechts völlig frei stehend auf den Kopf fällt, aber aber .... Aus, vorbei, es bleibt beim 2:2.

Fazit: Kein berauschendes Spiel, aber doch irgendwie spannend. Der Ausflug nach Köln hat sich doch noch gelohnt, auch wenn es kein Sieg wurde. Enttäuscht haben unsere Jungens in diesem Spiel jedenfalls nicht. Und die Hoffnung auf den Klassenerhalt hab ich schon lange vorher verloren.

Rolf

Spielstatistik:

1. FC Köln: Wessels - Dogan, Cichon, Sichone - Springer (79. Grujic) - Feulner, Heinrich - Lottner (Federico) - Kringe (69. Podolski), Streit, Scherz

VfB Stuttgart : Hildebrand - Zivkovic, Meira, Bordon, Lahm - Soldo - Hleb, Meißner (73. Yakin) - Heldt (63. Gerber) - Kuranyi, Streller (67. Szabics)

Tore: 0:1 Meißner (28.), 1:1 Kringe (45.), 2:1 Feulner (71.), 2:2 Meißner (72.)

Schiedsrichter: Fröhlich (Berlin)
Zuschauer: 50.200

Gelbe Karte: Feulner, Streit

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