Hamburger SV -1. FC Köln 4:2

Kiez am Mittag

oder: Was meine Spülmaschine mit dem HSV zu tun hat

Nach meinem Umzug im letzten Sommer in eine kleinere Wohnung musste ich mich aus Platzgründen notgedrungen von meiner Spülmaschine trennen, die seitdem ein tristes Dasein in meiner Garage fristete. Kurz darauf gab die Spülmaschine meines Sohnes den Geist auf. Ich gab ihm meine. Mein Sohn hat jetzt eine fast neuwertige Spülmaschine und ich Platz in der Garage - prima!

Da er (mein Sohn) sich nun unbedingt dafür revanchieren wollte, bestellte er für sich und mich - sowie für zwei seiner Freunde - Karten für das Spiel des FC beim HSV und besorgte Gutscheine für die größte Modellbahnanlage der Welt. Zum Zeitpunkt der Kartenbestellung konnte man noch auf eine interessante sportliche Konstellation hoffen, zum Zeitpunkt des Karteneingangs allerdings nicht mehr ...

Vorsichtige Anfragen meinerseits, ob er (mein Sohn) "vielleicht jemand kenne, der gerne mit nach Hamburg ... und so ...." blieben ohne Erfolg. Auch mein Hinweis, dass "wenn die Modellbahnanlage wirklich so interessant sei, man doch ruhig auf das Fußballspiel verzich...." wurde unnachgiebig abgelehnt. So fand ich mich dann am Samstagmorgen um 7 Uhr auf dem Beifahrersitz meines Autos wieder. Mein Sohn hat jetzt eine fast neuwertige Spülmaschine und ich wurde ömmesöns nach Hamburg kutschiert - hossa!

Am Vomittag kamen wir ohne nennenswerte Verzögerungen in Hamburg an, fuhren über die imposante Köhlbrand-Brücke, sahen linkerhand St. Pauli liegen und schafften es, ohne uns im Straßengewirr des Hamburger Hafens zu verfahren, die Speicherstadt zu erreichen.

Aufgrund der vielen Busse vor dem Haus mit der Modellbahnanlage ahnten wir schon nichts Gutes. So meinte dann auch der "Einlasser", dass wir mit mindestens 70 Minuten Wartezeit rechnen müssten, aber (Zitat) er "überhaupt nichts dagegen hätte, wenn wir dem HSV heute mal so richtig einen auf den Sack geben würden". Den ersten Teil der Aussage fanden wir nicht so toll, mit dem zweiten Teil konnten wir uns anfreunden.

Die Modellbahn konnten wir also aus Zeitgründen knicken, aber was tun? Meine Vorschläge von Stadtrundfahrt bis Hafenrundfahrt fanden kein Gehör. Die jungen Leute wollten auf die Reeperbahn. Dort angekommen, empfing uns ein Riesen-Polizeiaufgebot mit allem Drum und Dran. Aber - welch Überraschung - sie waren garnicht wegen uns dort! Die Hafenstraßen-Szene veranstaltete eine Demo. Als der Demo-Zug an uns vorbei zog, mussten wir allerdings grinsen: ganze 100 bis 150 Männlein waren dort unterwegs, ziemlich laut, aber durchaus friedlich. Auf jeden Demonstranten kamen etwa 6 Polizisten, 1 Polizeiauto, 0,25 Wasserwerfer und 0,1 Hubschrauber .... Ronald Schill ließ nochmal grüßen ...

Und überhaupt: Der Kiez am Mittag ist nicht sonderlich berauschend. Man sollte dorthin gehen, wenn es dunkel ist. In der Nacht sind alle Katzen grau ...

So machten wir uns auf den Weg zur Laolarena ... oder so ähnlich. Der Kasten ist auch nach mehrmaligem Besuch immer noch imposant, ohne Zweifel. Was die jedoch dort drinnen abziehen, ist unter aller Kanone. Amikram der übelsten Sorte. Naja ... AOL eben! Der DFB (bzw. DFL) kontrolliert doch mittlerweile alles. Hand- und Jackentaschen, Mützen und Schuhe, Fahnenstocklängen und Transparentaufschriften. Wann endlich kontrollieren die mal Stadionsprecher!?

Wenn ich diese fürchterlichen Marktschreier höre, könnte ich kotzen! Die haben nicht den geringsten Respekt vor dem sportlichen Gegner und dessen Anhang. Alles wird niedergebrüllt und der Lächerlichkeit preisgegeben. Wenn Hans-Gerd König das hören könnte, würde er im Grab rotieren wie eine Wäscheschleuder! AOL kommt bei mir nicht auf den PC!

Zum Spiel muss ich nicht viel schreiben, das steht sowieso in allen Zeitungen. Der FC spielte etwa eine Stunde gut, so wie in den letzten Spielen. Bis man sich durch individuelle Fehler schnell zwei Tore hintereinander einfing. Eine clevere eingespielte Mannschaft hätte den HSV heute auseinandergenommen. Aber das kennen wir ja bereits ... Jetzt schießt man schonmal zwei Tore beim Gegner und bekommt trotzdem keine Punkte.

Nach kurzer Überlegung, ob man in Hamburg noch was unternehmen sollte, beschlossen wir direkt nach dem Spiel die Heimreise anzutreten.

Mein Sohn hat jetzt eine fast neuwertige Spülmaschine und ich ... keine Modellbahn gesehen und keinen FC-Sieg ... Klatschmarsch!

Aber nur der gute Wille zählt ... :-)))

Jupp

Spielstatistik:

Hamburger SV: Wächter - Fukal, Reinhardt (31. Benjamin), Ujfalusi, Wicky - Schlicke - Jarolim - Mahdavikia, Rahn - Romeo (73. Cardoso), Barbarez (73. Hleb)

1. FC Köln: Wessels - Schröder, Dogan, Sinkiewicz, Voigt (60. Feulner) - Grujic, Sinkala - Kringe - Scherz (76. Springer), Federico (60. Streit) - Podolski

Tore: 1:0 Rahn (41.), 1:1 Podolski (44.), 2:1 Barbarez (52.), 3:1 Jarolim (64.), 4:1 Fukal (68.), 4:2 Springer (83.)

Schiedsrichter: Weiner
Zuschauer: 48.500

Gelbe Karten: Jarolim - Kringe, Grujic, Sinkala

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