1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach 1:0

Hilfe, 1. FC Köln ...

Unter diesem Betreff erhielt ich am Samstag dem 24.01.2004 eine eMail mit folgendem Inhalt:

Lieber Christian,
du bist doch großer FC-Fan und gehst immer auf die Spiele, oder? Ich bekomme nächste Woche Besuch von einer Verwandten aus Amerika. Sie hat noch nie ein europäisches Fußballspiel gesehen und würde dies gerne tun. In Amerika gibt es ja nur Football und das ist ganz anders.

Weißt du, wie man noch an Karten für das Spiel am nächsten Samstag (Lokalderby) kommen kann (2 Stück würden reichen)? Das Stadion ist ausverkauft, obwohl die Kölner wirklich nicht so toll drauf sind.

Liebe Grüße,
Frank Briegleb

Der Absender war mein momentaner Berufsschullehrer, der zwar unmittelbar in der Nähe vom Rhein-Energie-Stadion wohnt, es aber bisher nur von außen kannte. Dies erklärt eventuell auch, dass er überrascht war, dass er eine Woche vor Spielbeginn gegen unsere Freunde vom Pöbelberg nicht mehr an Eintrittskarten gelangen konnte. Ich meine, ist ja auch irgendwie verständlich. Wer kann denn ahnen, dass bei einem abstiegsgefährdeten Fußballverein das Stadion bis auf zwei Heimspiele (Hamburg, Hertha) jedesmal ausverkauft war???

Na, wie dem auch sei … er ist kein üblicher Lehrer, den man während und nach seiner Schulzeit verflucht, sondern jemand, mit dem man auch gut feiern kann und vom Typ her mehr als in Ordnung ist. Insofern versuchte ich noch eine Woche vor Spielbeginn an zwei Karten für das Derby gegen die Gladdis zu gelangen. Da unser lieber KL-Bruder Eschi es lieber bevorzugte, in den Ski Urlaub zu fahren, anstatt mit dem FC zu fiebern, war ich im Besitz seiner Dauerkarte und an eine weitere gelangte ich durch meine Schwester, die von einer Freundin noch eine über hatte.

Die Winterpause war meiner Meinung nach mal wieder viel zu lang und so kam es mir eine halbe Ewigkeit vor, bis dass es endlich wieder losging. Ich fieberte dem Samstag entgegen, an dem der FC den Kampf gegen den Abstieg wieder aufnehmen sollte! Die Voraussetzungen dafür waren einfach nur genial!!!

Die Kölner spielten im fertig erstellten Rhein-Energie-Stadion vor ausverkauftem Haus gegen die Elf vom Niederrhein. Wie bei jedem Heimspiel machte ich mich mit zwei Freunden auf den Weg zum Stadion, um den FC zu unterstützen. Zu meinem Glück war ich diesmal nicht mit dem Fahren dran und konnte mich so ganz relaxt mit nem schönen Kölsch auf das Spiel vorbereiten. Die Fahrt dauerte wie so oft aus unerklärlichen Gründen mal wieder etwas länger, doch schafften wir es wie immer pünktlich am Stadion zu sein.

Die Höhner heizten die Fans vor Spielbeginn noch einmal richtig ein und die Ränge in unserem Stehplatzbereich waren proppevoll! Die FC-Hymne schallt durch das Stadion, nein was habe ich dies vermisst … Mein Puls war schon lange nicht mehr auf Normalzustand und wer bei dieser Atmosphäre keine Gänsehaut bekommen hat, der war wohl noch tief in der Winterpause. Bei der Mannschaftsaufstellung gab es keine Überraschungen. Unser Stadionsprecher, Michael Trippel, war bei der Nr. 36 angelangt, als man bei den Gladdis nur ein großes Fragezeichen mit einem schmunzeln im Gesicht erkennen konnte. "Po..., wer?" mag sich dort der ein oder andere gefragt haben.

Die WH hatte sich wie so oft bei den Derbys mal wieder etwas Einfallen Lassen. Das Motto lautete:

Der kölsche Großstadt-Ritter im Duell mit Bauern aus der Provinz Mönchengladbach.

Spätestens jetzt sollte es jedem klar geworden sein, wie wichtig dieses Spiel für den FC ist! Auf in den Kampf!!! Genau so begann der FC auch die ersten Minuten. "Come on FC"-Sprechchöre dürfte man nun wirklich in ganz Köln gehört haben, ja ich glaub sogar, dass es bis zu unserem Nachbarn, der anderen Rheinseite, aus Lev… gereicht hatte! Die FC-Spieler unterstützten die Kampfansage der Fans und begannen mit starkem Einsatz. Bereits schon in der 7. Minute machte der Mann mit der Nr. 17 auf sich aufmerksam, der einfach mal aus 16 Metern drauf hielt. Ich musste erst einmal genauer hinschauen, bis dass ich erkannt hatte, dass es mein Freund Jörg, der alte Heinrich war … der mit der Champions-League-Erfahrung. Jeglicher Kommentar wurde von mir verkniffen und ich konzentrierte mich weiter auf das Spiel.

Fünf Minuten Später hatten wir erstmals eine Kombination, die nicht einmalig für den heutigen Nachmittag sein sollte. Schröder von rechts außen mit einer schönen Flanke in den Strafraum, auf die Podolski schon sehnsüchtig gewartet hatte. Sein gut getimter Kopfball konnte allerdings von Stiel abgewehrt werden.

Leider sank das Spielniveau der ersten Halbzeit bereits schon nach 15 Minuten, doch konnte die Koller-Elf mit läuferischen und kämpferischen Einsatz gefährliche Aktionen der Gäste verhindern. Dabei ist mir auf jeden Fall ein Mann besonders positiv aufgefallen. Jörg Heinrich …! Für mich die Überraschung nach der Winterpause. Bislang konnte er mich nicht so ganz überzeugen, doch ich behaupte mal, dass er an diesem Spieltag richtig in Köln angekommen ist und ich hoffe, dass er diese Spielstärke weiterhin in der Saison halten kann.

Zuversichtlich ging ich in die zweite Halbzeit, um gemeinsam mit dem fußballverrückten Kölner Fußballvolk unsere Jungs zum Sieg zu brüllen. Leichter gesagt als getan, denn wie so oft kamen unsere Jungs etwas unkonzentriert aus der Kabine … bis auf einen. Stefan Wessels war hellwach, als er in der 46. Minute einen Kopfball von Juris van Hout mit einer tollen Parade abwehren konnte. Spätestens jetzt war der FC wieder konzentriert und zeigt den Gästen aus Gladbach, mit einem aggressiven Pressingspiel, wer hier ein Heimspiel hat. Genau diese Spielweise war aus Ausschlaggebend für folgende Situation:

Gladdi Kollka vertendelt den Ball gegen Schröder, der schaltet blitzschnell, spielt auf den freistehenden Podolski, welcher wiederum noch einen Haken schlägt und den Ball rotzfrech unter die Latte von Stiels Kasten ballert …! Was für ein Tor, was für ein Spieler, was für ein Tor … Das Stadion bebte. Alles, was rot-weiß bekleidet war, lag sich in den Armen und war außer sich. Lukas feierte seinen dritten Saisontreffer ausgiebig, auch wenn er dafür im Nachhinein die Gelbe Karte von Schiedsrichter Florian Meyer sah. Scheiß egal, Hauptsache, die verdiente Führung ist endlich da! Diesen Namen werden unsere Freunde von Pöbelberg so schnell nicht mehr vergessen! "NIE MEHR 2. LIGA" schallt es durch unserem super schönen Stadion und ich sehne mich schon jetzt nach dem Schlusspfiff. Das alles spielte sich in der 57. Minute ab und so blieben noch 33 Minuten plus Nachspielzeit, die mir einfach nur endlos lang vorkamen.

Vier Minuten später eine Situation, die es bestimmt so einigen FC Fans im Stadion nicht gerade leichter machte, die restliche Zeit nervenlos zu überstehen. Die Gladdis jetzt mit mehr Druck auf das Tor von Stefan Wessels, Van Hout mit einem strammen Pfostenschuss … der Ball prallt zurück auf den freistehenden Korzynitz, welcher es seinem Teamkollegen nach machte, nur diesmal den anderen Pfosten traf. Der Reporter sprach in dieser Situation später davon, dass der FC einen "Riesen Dusel" hatte … ich würde es einfach nur perfektes Augenmaß von unserem Torwart nennen!

Die Kölner Fans treiben ihre Mannschaft mit dem heut so oft gehörten "Come on FC"-Gesang wieder nach vorne und direkt im Gegenzug hatte Andrey Voronin den Siegtreffer quasi direkt auf dem Kopf. Podolski setzte sich auf der linken Seite sehr schon durch und passte auf seinen Sturmpartner, der sich super von seinen Gegenspieler gelöst hatte, und zum Flugkopfball ansetzte, der leider knapp vorbei ging.

Die folgenden Minuten gehörten den Gladdis. Sie mussten Druck machen, und so war der FC nur damit beschäftigt die Angriffe so gut es ging abzuwehren und den Spielaufbau der Gäste zu unterbrechen. Dies gelang nicht immer ganz fair, so dass es immer wieder zu gefährlichen Standardsituationen der Fohlen kam. Doch glücklicherweise stand unsere Abwehr heute recht gut, und selbst wenn sie sich einen Schnitzer erlaubten, so konnte sich wenigstens Wessels unter Beweis stellen und er bringt mir auf diesem Wege auch eine höhere Punktzahl beim Kicker-Managerspiel!

Nach Ablauf der 90 Minuten hörte man von den Rängen nur noch ein lautes Pfeifkonzert, wovon sich Schiedsrichter Meyer aber nicht abhielten ließ, noch etwas nachspielen zu lassen. Dies führte dann noch zu einer Spielsituation, in der er zu unrecht Abseits gegen den für Voronin eingewechselten Ebbers gepfiffen hatte und so eine gute Chance zunichte machte. Aber egal, denn kurz darauf folgte dann der so lang ersehnte Schlusspfiff und bis auf ein paar unwichtige Ausnahmen sah man nur noch glückliche Gesichter im Stadion, die in Feierlaune waren!

Der FC gewinnt das Rhein-Derby gegen die Borussia aus Gladbach mit 1:0 durch ein wunderschönes Tor von Lukas Podolski.

Fazit FC:
- Der FC hat einen neuen Helden …! Vergesst den Heiligen Ewald, wir haben Lukas Podolski!
- Marcel Koller ist der Mann, den der FC jetzt braucht!
- Nochmals erwähnen möchte ich den Einsatz von Jörg Heinrich, der schon von vielen Fans abgeschrieben wurde.
- Dieses Stadion wird den FC noch einige wichtige Punkte einbringen, auf Grund der großartigen Kulisse.
- Die neuen "Come on FC"-Trikots würde ich am liebsten bei dem letzten Spiel in Berlin sehen, da wir die solang halten dürfen, bis dass die nächste Niederlage kommt.
Danke Funny Frisch

Fazit persönlich:
- Eschi sollte das Recht auf seine DK aberkannt werden, da es wohl Glück bringt, wenn er nicht anwesend ist.
- Der FC gehört in die 1. Bundesliga und wir schaffen den Klassenerhalt.
- Der sky hat sein tägliche gute Tat erfüllt, indem er noch zwei Karten für das Derby bekommen hat.
- Selbst Lehrer können noch etwas dazulernen, denn bei den Fangesängen des FCs verhielt er sich meiner Ansicht nach etwas zu ruhig (daran kann man arbeiten *lach*).

skycom

Spielstatistik:

1. FC Köln: Wessels - Sichone, Cichon, Dogan - Voigt, Heinrich, Springer, Schröder, Streit (74. Kringe) - Podolski (90. Feulner), Voronin (88. Ebbers)

Borussia Mönchengladbach: Stiel - Carnell, Asanin, Strasser, Korzynietz - Gaede, Kolkka (58. Demo), Kluge (88. Podszus), Ulich (72. Sverkos) - Van Lent, Van Hout

Tore: 1 :0 Podolski (52.)

Schiedrichter: Meyer (Burgdorf)
Zuschauer:
51.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Heinrich, Podolski, Voigt - Strasser, van Lent

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