Pokal: FC Oberneuland - 1. FC Köln 2:5 n.V.

Bratwurst mit Verlängerung

Am Samstagnachmittag machten wir uns mit vier Leuten auf, um die fast schon traditionelle Pokal-Erstrundenfahrt "über die Dörfer" zu machen. Das Pokallos führte uns nach Oberneuland, einem Stadtteil von Bremen, zum dortigen "FCO", einer Mannschaft aus der Oberliga.

Als wir in Oberneuland einfuhren, spürten wir so eine Art "Hahnwald-Flair": Es war sehr ruhig dort und die Häuser lagen versteckt in relativ großen Parkanlagen. Auch die Sportanlage war nicht "ohne". Eine großzügige Tennisanlage, ein Vereinsrestaurant und dahinter die Fußballanlage. Zwei Rasenplätze, der Hauptplatz mit einer kleinen, aber schmucken Tribüne.

Da wir frühzeitig in Bremen eintrafen, schauten wir uns zunächst nach Verpflegung um. Die Gastgeber hatten vor der Vereinsgaststätte ein biergartenähnliches Ambiente aufgebaut. Nur die kleinen Regenschauern, die ab und zu aus einer vorbeiziehenden Wolke fielen, passten nicht so richtig zum Grillabend-Gefühl. Jedenfalls ließen wir uns dort nieder, ließen es uns bei Bratwurst und Pils gutgehen und schauten ganz entspannt dem Anpfiff entgegen. Warum sollte man auch nervös sein, bei vier Klassen Unterschied?

Alsbald machten wir uns daran, unsere Plätze auf der Tribüne zu suchen. Reihe 5 (von insgesamt sechs), unmittelbar vor Andreas Rettig. Von der Tribünenvorderkante bis zur Auslinie waren es vielleicht 1 Meter. Man war so nah dran, dass man meinen konnte, mitten im Spiel zu sitzen. Der Rest des Platzes war mit einer Metallstange abgetrennt, wie man das von Fußballplätzen bei unterklassigen Vereinen kennt. Mit etwa 2.500 Zuschauern - davon gut die Hälfte aus Köln - war das "Stadion" jedenfalls proppenvoll. Außerdem hatten sich auch zahlreiche Werderfans dort eingefunden. Wenn das mal gutginge ...

Der FC begann das Spiel mit 6 Fußballern, Bade im Tor und vier Blinden. Die vier Blinden waren mit zunehmender Spieldauer leicht auszumachen: Scherz (wie immer), Voigt (auch nicht ungewöhnlich), Kringe (eigentlich schade) und Helbig (ein Fall für die Couch). Ich war wohl nicht der einzige, der dies so sah, denn Scherz und Voigt wurden kurz nach der Halbzeitpause ausgewechselt und Helbig wechselte sich später selbst aus. Nur Kringe musste durchspielen, was den Gastgebern in der Verlängerung den zweiten Treffer bescherte, als er seinen Gegenspieler frei zum Kopfball kommen ließ.

Da man anscheinend aus schlechten Beispielen nichts lernen will oder kann, begann die Kölner Mannschaft das Spiel mit leicht angezogener Handbremse. Die Oberneuländer standen hinten massiv und lauerten auf Konter, wohl die einzig vernünftige Spielweise gegen einen klassenhöheren Gegner. So kam es denn, wie es in diesen Fällen immer kommt: der FC suchte vergebens seinen Spielrhythmus und der gastgebende Außenseiter schloss einen seiner Konter erfolgreich ab: 0:1. Naja, Ehrentreffer, ist ja noch lange zu spielen, dachte man.

In der Halbzeitpause muss es in der Kabine wohl "gerappelt" haben, denn der FC ging jetzt etwas aggressiver zu Werke. Das Spiel fand fast nur noch im Oberneuländer Strafraum statt. Was die Kölner allerdings an Torchancen versemmelten, geht noch nichtmal auf die berühmte Kuhhaut. Rettig hinter uns wurde mit fortwährender Spieldauer auch immer nervöser und machte sich irgendwann mal auf in Richtung Trainerbank.

Noch fünfzehn Minuten ... noch zehn Minuten .... noch fünf Minuten ... Auf dem Platz ging das fröhliche Fahrkarten-Preisschießen weiter und in meinem Kopf setzte sich der Gedanke fest, dass man gleich mal wieder der Arsch war, der Pokaldepp, der doofe Fan dieses Karnevalsvereins, der bei unterklassigen Vereinen in der ersten Runde aus dem Pokal fliegt. Schöne Aussichten auf die kommende Woche!

Man konnte es auch den Spielern förmlich ansehen, dass sie wohl so ähnlich dachten. Die Aktionen schienen hektischer, aber auch verkrampfter zu wirken. Doch dann geschah das, was man schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatte: der Ball fand doch noch irgendwie den Weg ins Oberneuländer Tor! Zwei Minuten vor Schluss schien die Blamage fürs erste abgewendet worden zu sein. Mit aller Eile versuchte die Mannschaft in der Nachspielzeit noch den Siegtreffer zu erzielen, um sich die Verlängerung zu ersparen. Aber es reichte nicht mehr. Nochmal 30 Minuten dranhängen ...

Kurz nach Beginn der Verlängerung gelang Heinrich das 2:1 für Köln. Das war die Erlösung. Die Oberneuländer Mannschaft war jetzt stehend KO. Trotz aller Bemühungen konnten sie jetzt nicht mehr gegenhalten. Der Rest war routiniertes Auslaufen und ich freute mich auf eine entspannte Heimfahrt. Eine Viertelstunde vorher sah das noch ganz anders aus ...

Welche Erkenntnisse können wir von dieser Fahrt mitnehmen?
1. So schlecht war das Spiel - objektiv gesehen - nicht
, dank einer guten Oberneuländer Mannschaft.
2. Ebbers ist besser als Helbig.
3. Eine Schwalbe (1:0 gegen Dortmund) macht noch keinen Sommer.
4. Bade klebt immer noch auf der Linie.
5. Man sollte nie einen Gegner unterschätzen.
6. Der einzige Rauch kam von den Heimfans.
7. Es war schön, dabeigewesen zu sein.

Warum allerdings nach dem Schlusspfiff mehrere hundert FC-Fans auf den Platz rennen und sich so verhalten, als wäre man gerade Deutscher Meister geworden, entzieht sich meinem Begriffsvermögen.

Jupp

Spielstatistik:

1. FC Köln: Bade - Cullmann, Klos (69. Federico), Schröder, Springer - Kringe, Lottner, Voigt (63. Heinrich) - Scherz (58. Ebbers), Helbig, Voronin

Tore: 1:0 Muzzicato (37.), 1:1 Lottner (89.), 1:2 Heinrich (91.), 1:3 Voronin (96.), 1:4 Ebbers (102.), 2:4 Klemptner (115.), 2:5 Voronin (120.)

Schiedsrichter: Schriever (Otterndorf)
Zuschauer: 2.500

Gelb-Rote Karte: Helbig wegen wiederholten Foulspiels (84.)
Gelbe Karten: Springer, Lottner, Voronin

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