1. FC Köln - VfL Wolfsburg 2:3

Viel Amikram und kein Mittelfeld

Meine Lieben von der KL hatten mich dazu auserkoren, wieder mal einen Spielbericht zu schreiben. Mich selbst befiel dabei ein komisches Gefühl, denn jedesmal, wenn ich einen Bericht schreiben durfte, hagelte es eine empfindliche Niederlage für unseren FC. Und so befürchtete ich, würde es auch diesmal sein, zumal die Wölfe mit breiter Brust nach dem Sieg gegen die Bayern anreisten und wir gegen Wolfsburg eigentlich noch nie gut ausgesehen hatten.

Vier Dinge am Rande des Spiels muss ich aus meiner Sicht kritisch erwähnen:

1. Ein Stadion, in dem die Fans ihre eigenen Fahnen nicht aufhängen können,weil
die verdammte Werbung verdeckt wird, ist für mich kein Fußballstadion. Werbung muss heutzutage sicherlich sein, aber das ist wohl ein schlechter Witz, zumal Fahnen auch eine entsprechende Stimmung vermitteln.

2. Vor dem Spiel wird soviel Werbung über den Äther gejagt und vom Stadionsprecher vorgebrabbelt, dass noch nicht einmal mehr Zeit bleibt die "Hymne" anständig zu Ende zu bringen, ganz zu schweigen von anderen Liedern, die komplett wegfielen. In diesem Zusammenhang erkläre mir mal einer diesen "Melodienreigen" nach geschossenen Toren. Ich will mein "hey Kölle, du ming Stadt am Rhing" wiederhaben. Darf dieser Stadionfuzzy eigentlich alles??? Außerdem sollte man auf diese Cheerleader langsam verzichten. Immer
sensationell langweilig, dieser amerikanisches Showkram.


3. Stadion ausverkauft. Diese Feststellung kann nur leichte Verwunderung hervorrufen, da auf der Nordseite komplette Blöcke im Sitzplatzbereich leer waren.

Kaum war das Spiel angepfiffen, hieß es auch schon 0:1. Nach einer Ecke ließ Heinrich seinen Gegenspieler Biliskov frei zum Kopfball kommen, Wessels machte ausnahmsweise auch keine gute Figur und schon war es passiert. Der FC ließ sich davon aber überraschenderweise nicht beeindrucken und zog ein nett anzuschauendes Angriffsspiel auf. Einziges Manko: zu hoher Aufwand - zu geringer Ertrag, sprich 0 Tore, zumal sich auch noch Simon Jentzsch in guter Form präsentierte.

Die Wölfe ihrerseits versuchten mit schnell vorgetragenen Kontern zum Erfolg zu kommen. Dabei half ihnen ihr excellentes Kurzpasspiel sowie ihre technische Versiertheit. Man konnte sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Kölner Abwehrspieler Angst hatten, ihren Gegenspieler konsequent anzugreifen, weil man einfach befürchtete, ausgetanzt zu werden. Hinzukam, dass Röber ganz genau erkannt hatte, wo die Schwächen im Kölner Mittelfeld liegen und hier den Hebel exakt angesetzt hatte, denn

1. Lottner ist sich für die Abwehrarbeit in der Rückwärtsbewegung zu schade
2. Voigt war als Kettenhund für d'Allessandro abgestellt,
3. Springer taktisch überfordert

und somit klaffte im Mittelfeld ein riesiger Freiraum, in den die Wölfe hineinstiessen. Nachdem die Wölfe einige Kontermöglichkeiten geradezu fahrlässig nicht genutzt hatten (Baiano verstolperte den Ball einmal völlig freistehend), wurde Thiam nicht angegriffen (von wem auch, wenn keiner mit zurückkommt), spazierte durchs Mittelfeld, durfte ungehindert wie im Training eine präzise Flanke schlagen und Petrov verwandelte völlig freistehend mit
etwas Glück zum 0:2.

Im ersten Augenblick dachte wohl jeder, das war es denn wohl. Aber hier muss man dem FC wirklich Lob zollen, denn die Spieler ließen sich nicht einschüchtern und übernahmen nach dem 0:2 das Kommando auf dem Platz.

Angriff auf Angriff rollte gegen das Tor von Simon Jentzsch. Dabei machte die Wolfsburger Abwehrreihe auch keinen sattelfesten Eindruck. Und so konnte ausgerechnet Matthias Scherz nach einer langgezogenen Flanke und einer Kopfball-Hereingabe von Cullmann den Anschlusstreffer erzielen. Drei weitere Chancen durch Springer nach Ecke, Ebbers und Voronin, der die halbe Wolfsburger Abwehr düpierte, führten leider nicht zum Erfolg. Der Halbzeitpfiff unterbrach ein kurzweiliges und mit hohem Tempo geführtes Spiel.

Nach der Pause ging es direkt so weiter, wie es vor der Pause geendet hatte. Der FC drückte, was das Zeug herhielt und erspielte sich ein deutliches Übergewicht. Zweikämpfe wurden angenommen, der Gegner beim Aufbauspiel konsequent angegriffen und Voronin lief zur Hochform auf. Ein Kölner Spieler erkämpfte den Ball in des Gegners Hälfte, Voronin tanzte von links nach rechts vor der Wolfsburger Abwehr her, sieht Scherz halbrechts steil gehen, ein präziser Pass auf Scherz, der mit dem Ball geht, gefühlvoll nach innen flankt und endlich... sein 1.Tor. Voronin drückt den Ball über die Linie.

Danach wollte es Voronin zweimal einfach zwingen, scheiterte jedesmal aber an Jentzsch. Vielleicht hätte er in der einen oder anderen Situation besser seinen Mitspieler gesucht.
Nach einem Fehlpass von Cullman (das war ganz klar die Nr. 2 und nicht die Nr. 40, wie in einigen Zeitungen zu lesen war), der einen Pass völlig unmotiviert nach vorne spielte, obwohl links neben ihm auf gleicher Höhe mehrere Mitspieler frei standen, kam der Ball postwendent zurück. Für die Abwehrarbeit im Mittelfeld fühlte sich mal wieder keiner zuständig. Klosz fiel in der Laufbewegung auf die Nase, Schröder ließ sich mit einer Körpertäuschung austricksen und Klimowicz donnerte den Ball unhaltbar ins Tor.

Lähmendes Entsetzen machte sich jetzt breit, nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch bei den Spielern. Der FC war geschlagen. Keine Gegenwehr mehr und noch mit viel Glück konnte das 4. und 5. Tor für die Wölfe verhindert werden.

Fazit: Wenn im defensiven Mittelfeld keine Lösung gefunden wird, ist der FC nicht mehr zu retten, da andere Mannschaften wie Bayern und Leverkusen uns ausnehmen werden wie eine Weihnachtsgans. Da aber unser Neuzugang aus Bochum erst Ende November wieder
spielen wird und die Person Lottner unantastbar ist (warum eigentlich?), wird eine große Chance vertan, den FC umzukrempeln.

Sicherlich hat der FC nicht schlecht gespielt, aber Schönreden von Fehlleistungen bringt uns nicht weiter. Schuldzuweisungen an die Schiedsrichter sind einfach lächerlich. Zu FF kannn ich nur sagen, wenn der tatsächlich ratlos ist, wie in einigen Gazetten zu lesen war, soll er gehen. Dann hätte er sich besser mal auf die Tribüne gesetzt. Von oben konnte man genau sehen, wo der Hebel anzusetzen ist. Konsequenzen ziehen, auch wenn es weh tut!!! Und nicht immer nur trainingsfrei!!!

Positiv zu vermerken ist, dass die Moral der Mannschaft wohl noch stimmt. Das war schon eindrucksvoll, wie nach dem Rückstand aufgetrumpft wurde und im Sturm wurde mal miteinander kombiniert, wenn auch noch zu wenig, doch mit guten Ansätzen.

Naja ... vielleicht ist Platz 15 doch noch drin, wenn ich an die Gladdys, Schalke, HSV und Frankfurt denke. You'll never walk alone FC.

Rolf

Spielstatistik:

1. FC Köln: Wessels - Klos (78. Sichone), Schröder - Cullmann, Heinrich - Voigt - Springer - Lottner - Scherz (77. Dworrak) - Voronin, Ebbers (71. Helbig)

VfL Wolfsburg: Jentzsch - Rytter (18. Karhan), Biliskov, Sarpei - Thiam, Schnoor - Menseguez (30. S. Müller), D'Alessandro - Petrov - Klimowicz, Baiano (76. Ponce)

Tore: 0:1 Biliskov (3.), 0:2 Petrov (26.), 1:2 Scherz (33., Kopfball), 2:2 Voronin (60.),
2:3 Klimowicz (73.)

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 33.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Heinrich, Voigt, Springer - Menseguez, Klimowicz, Sarpei, Thiam

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