Bayern München - 1. FC Köln 2:2

Da war'n wir dabei ...

Eigentlich hätte man auf all die Leutchen hören müssen, die einem immer wieder beibringen wollen, wie schlimm und schrecklich doch alles ist, was mit dem 1. FC Köln auch nur im Geringsten zu tun hat. Selbst der Himmel hat doch seine Hilfe verweigert und noch nicht einmal eine Kerze, im Dom angezündet und nach Müngersdorf gebracht, hat uns geholfen.
Es konnte doch nur schlimm werden in München und das Wort Hoffnungslosigkeit hätte unser Wegbegleiter sein müssen. Und nicht Wenige schickten uns mit einer gehörigen Portion Ironie auf den Weg.

Aber was soll's, der Wecker klingelte um 2 Uhr und pünktlich um 3 Uhr stand Katrin auf der Matte. Auf ging's Richtung München. Es wollte und wollte nicht heller werden, aber auch 653 Kilometer sind einmal abgefahren. Und, oh Wunder, nicht einmal hatten wir uns verfahren und schon bald konnten wir unsere Reise mit der KVB, nein, heißt ja hier MVV,
fortsetzen.

Der Münchener Himmel versprach uns auch nichts Gutes, er schickte uns erstmal jede Menge Schneeregen und nicht nur einmal fragte ich mich, warum ich mir das eigentlich antue, das dicke Ende des Nachmittags stand ja noch vor mir, aber hatte ich nicht letztens noch behauptet, als Kölner Fan ist man kein normaler Fan, man ist was Besonderes?

Beim "Lustigen Bauern" angekommen, wo wir uns mit einigen Freunden verabredet hatten, wurde dann erstmal auf ein gutes Spiel und drei Punkte angestoßen. Die anwesenden Bayern-Fans lachten uns lauthals aus, aber was soll's ... Ein paar Liedchen wurden geschmettert und eigentlich hätte man ja den Nachmittag an diesen gemütlichen Ort verbringen können, das Bier schmeckte, es war warm und trocken, aber dafür waren wir ja schließlich nicht schon 650 km gefahren und hatten uns die halbe Nacht um die Ohren geschlagen.

Dann ging's ab ins Stadion. Diesmal mussten wir auf die andere Seite, die 1860er Seite. Ca. 3000 Köln-Fans waren bereits im Block versammelt, nettes Lächeln aufgezogen und schon ließen uns die Ordner in den Nebenblock, der mit Sitzreihen ausgestattet ist, die aber selbstverständlich nicht genutzt wurden.

Irgendwie war die Stimmung heute anders als sonst, das Wort Euphorie gab es heute wohl nicht. Wir waren ja auch alle ohne irgendwelche Ansprüche angereist. Wann würde das
erste Tor für die Bayern fallen und wie hoch würde die Niederlage heute ausfallen? Die Mannschaftsaufstellungen wurden genannt, die Bayern hatten mal wieder alle den gleichen Nachnamen. Und dann erklang die Hymne der Bayern, von uns mit Schmunzeln aufgenommen:

FC Bayern, Stern des Südens, Du wirst niemals untergehen,
weil wir in guten, wie in schlechten Zeiten zueinander stehen,
FC Bayern, Deutscher Meister, ja so heißt er, mein Verein,
ja so war es, und so ist es, und so wird es immer sein.

Die Bezeichnung "Stern des Südens" würde mich vorläufig nicht mehr loslassen.

Cichon trägt für Lottner die Kapitänsbinde, Poldi spielt für Scherz. Die ersten Minuten gehören den Bayern. Salihamidzic, Pizarro, Ballack, naja, die Namen kennt man ja. Aber was ist denn mit unserer Mannschaft los? Ich reibe mir verdutzt die Augen ... Das Mittelfeld wird schnell überbrückt, lange Pässe werden gespielt, Voronin fällt nicht mehr über seine eigenen Füße, naja, jedenfalls nicht mehr so oft. Und auf einmal ist der FC auch in der Lage, Fehler des Gegner auszunutzen.

Die Bayern erkämpfen sich Chance um Chance, aber unsere Jungs sind hinten hellwach und dreschen alles nach vorne. Und dann auf einmal spielt Florian Kringe einen Pass, den man sich in jedem Spiel von ihm wünscht, Voronin sieht sich Oliver Kahn allein gegenüber und
dann ist nur noch Jubeln angesagt.

Ja, was ist das? Gibt es ihn doch noch, den Fußballgott? Auf der Anzeigentafel werden die Rückstände von Gladbach und den Pillen angezeigt. Ach, wär doch jetzt schon Schluss! Natürlich kommt es so, wie es kommen muß, die Bayern erhalten eine Ecke zugesprochen, Pizarro erwischt den Ball und drin isser.

Fast das gleiche Spiel einige Minuten nach Wiederanpfiff, Ecke für die Bayern, Pizarro gebraucht seinen ganzen Körper und irgendwie befördert er den Ball über die Linie. Die Wirklichkeit hat uns wieder.

Das war's dann wohl ..., aber nein, man gibt nicht auf. Immer wieder sind irgendwelche Köpfe, Hände, Füße oder was weiß ich, dazwischen, die verhindern, dass die Bayern davonziehen. Wieso hört man eigentlich von den Bayer-Fans nichts?

Und dann passiert die endgültige Überraschung: Gut, mit 1:0 in Führung gehen, kann immer mal passieren aber nach einem Rückstand nicht endgültig zusammenzubrechen ist eigentlich bei unserem Fc in momentaner Verfassung was Besonders. Jeder merkt auf einmal: Hier geht ja noch was. Im Gästeblock steigt der Blutdruck, die Spieler unten auf dem Rasen
sind nicht wieder zu erkennen. Lukas Podolski fordert immer wieder den Ball, Thomas Cichon hält seine Abwehr zusammen und Stefan Wessels boxt alles, was auf ihn zugeflogen kommt, weg.

Von nun an war es um den größten Teil des Gästeblocks geschehen. Nach einer Stunde erlöst uns Alexander Voigt und schießt das für uns fast unfassbare 2:2. Aber noch ist das Spiel nicht zu Ende. Wie war das im bisherigen Saisonverlauf?

Das Spiel hätte mit 3:2 für den Gegner enden müssen und dann hat auch noch zum guten Schluss Marius Ebbers die Möglichkeit, den Siegtreffer für uns zu schießen. Zentimeter fehlen ihm, von diesen Zentimetern wird er wohl noch lange träumen. Wir können es immer noch nicht fassen, der Schiedsrichter pfeifft ab, die fast 3000 Kölner liegen sich in den Armen und feiern die Mannschaft. Wie gerne kommen sie heute zu uns an den Zaun und machen mit uns die Welle. Und wie war das jetzt mit dem Fußballgott?

Auf dem Weg zum Löwenbräu-Keller wird noch oft über die vergebene Chance von Marius diskutiert, über die tollen Paraden von Stefan Wessels und über Florian Kringe, der endlich mal überzeugen konnte. Man hat einen nicht zu erwartenden Punkt beim "Stern des Südens" geholt, die Maß Bier (3, 4) schmecken hinterher umso besser, Sonic meldet sich, er hat
keine Lust kölsches Liedgut von sich zu geben sondern zieht es vor, die Münchener Diskotheken zu erforschen.

Bei uns am Tisch sitzen Bayern-Fans, die uns was von den "Sternen des Südens" vorsingen, aber selbstverständlich vom "Treuen Husaren" übertönt werden. Irgendwann sinken Katrin
und ich dann ins Bett. Am nächsten Morgen werden dann noch verschiedene Christkindl-Märkte, das Hofbräuhaus und die Münchener Freiheit aufgesucht und selbstverständlich im
Mariendom eine Kerze angezündet. Abends um 23 Uhr ist man dann wieder zuhause.

Fazit des Münchentrips: Es ist schon hart, FC-Fan zu sein, aber immer wieder schön ... und: da war'n wir dabei, dat war prima ...

Paula

 

Spielstatistik:

Bayern München: Kahn - Salihamidzic, R. Kovac, Demichelis, Lizarazu (73. Rau) - Hargreaves - Schweinsteiger (77. Feulner), Ballack - Zé Roberto - Santa Cruz (46. Makaay), Pizarro

1. FC Köln: Wessels - Cullmann, Cichon, Dogan - Schröder, Springer, Voigt - Kringe (72. Federico), Sinkala - Podolski (88. Scherz), Voronin (89. Ebbers)

Tore: 0:1 Voronin (35.), 1:1 Pizarro (42.), 2:1 Pizarro (49.), 2:2 Springer (60.)

Schiedsrichter: Kemmling (Kleinburgwedel)
Zuschauer: 48.000

Gelbe Karten: Springer, Cichon

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