MSV Duisburg - 1. FC Köln 2:2

Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei

oder: Pisas Grüße an Duisburg

Aschermittwoch, 18.00 Uhr. Selten wurde in der Geschichte des deutschen Fussballs ein Nachholspiel dämlicher terminiert als das Spiel des 1. FC Köln beim MSV Duisburg. Aber immerhin waren wir nicht allein, noch zwei andere Zweitligabegegnungen fanden zum gleichen Zeitpunkt statt, ebenfalls Nachholspiele.

Und weil man ja hin und wieder auch noch anderen Verpflichtungen nachkommen muss, geriet der Besuch des Spiels in Duisburg zu einer minutiös geplanten Unternehmung.

14.45 Abfahrt nach Bochum
17 Uhr Meine Verlobte von ihrer Freundin in Bochum in Empfang genommen.
17.05 Uhr Abfahrt in Bochum 17.30 Ankunft in Duisburg-Wedau.
Bei einem Freund (Dirk Jarosch) Auto vor die Tür gestellt und mit dem Bus ins Stadion
17.45 Ankunft im Stadion

Bis dahin hat also alles geklappt. Noch ein kurzes Schwätzchen mit Sonic, dann einen schönen Platz gesucht und das Spiel konnte losgehen.

Plötzlich höre ich jemand meinen Namen rufen und hinter mir stehen Treuer und Kuhni. Wieder ein kurzes Schwätzchen und dann galt meine ungeteilte Aufmerksamkeit dem Geschehen auf dem nicht so ganz grünen Rasen. Mutmaßungen von Kuhni, Treuer und mir über die Nutzung des Spielfelds außerhalb der Spielzeiten reichten von Spargelanbau über Maufwurfzucht bis hin zum Testfeld für genmanipulierte Runkelrüben. Kurzum, das Geläuf präsentierte sich in einem nur bedingt bespielbaren Zustand.

Ganz klar, dass unsere Filigrantechniker damit große Probleme hatten und auch Alex Bade wäre der ein oder andere Hügel beinahe zum Verhängnis geworden. In der 8. Minute hoppelte ein flach gespielter Ball fast parallel zur Torauslinie in Richtung Eckfahne, um dann doch noch (vielleicht von einem frechen Maulwurf) eine Richtungsänderung zu erfahren. Glücklicherweise trudelte das Spielgerät trotzdem ins Aus.

Zwei Minuten später allerdings befand sich die gesamte FC-Abwehr im Tiefschlaf. Flanke von links, in der Mitte steht Ebbers und kann sich per Kopf die Ecke aussuchen. Er entscheidet sich für die rechte, und der MSV-Anhang darf zum ersten Mal jubeln, wie immer zu den Klängen der Vereinshymne "Zebrastreifen Weiß und Blau", die mir von meinem letzten Besuch in Duisburg noch in schlechter Erinnerung ist.

Seinerzeit kassierte der FC dort gleich drei Tore. Schlimmer ist da wohl nur noch "Rama Lama Ding Dong". Aber irgendwie doch schön, dass es Ebbers war, ist ja immerhin bald ein Kölner ... (Achtung, Ironiesensor einschalten). Nun gut, wieder mal ein Rückstand, ist ja nichts Neues, egal, jetzt muss der FC halt kommen.

Das tut er dann auch und immerhin springt ein Pfostenschuss dabei heraus. Ansonsten aber landen die meisten Versuche von Lottner und Co., einen langen Pass in die Spitze zu spielen, in den Armen des MSV-Torwarts. Die Duisburger hatten sich schon früh auf's Konterspielen eingestellt. Das sah dann ungefähr so aus: 1 Duisburger steht im Tor, 9 weitere in unmittelbarer Nähe und einer, "unser" Ebbers an der Mittellinie.

Es dauerte auch gar nicht so lange, bis er den ersten schönen Pass in die Füsse gespielt bekam und der Kölner Verteidigung auf und davon lief. Nun also nur noch Alex Bade umspielen und den Ball locker einschieben. Doch siehe da, Alex ist auf dem Posten, drängt Ebbers nach rechts ab, der Winkel wird immer spitzer, die Kölner Deckung ist auch wieder am Start.

Doch Alex war von seinem Teilerfolg wohl so beflügelt, dass er meinte, das Leder seinem Kontrahenten vom Fuß reißen zu müssen. Es kam, wie es kommen musste, Foulspiel und Elfmeter. Sicher verwandelt von Zeyer. "Zebrastreifen weiß und blau".....

War damit am Aschermittwoch tatsächlich alles vorbei, die Serie des FC betreffend? Fast schien es so, als würde der FC mit einem 0:2-Rückstand in die Kabine gehen müssen, da fasst sich unser Jungspund Florian Kringe ein Herz, geht nach einem feinen Zuspiel durch die Duisburger Deckung und zimmert den Ball ins linke obere Eck. Jubel im Kölner Block und diesmal "Keiner wird es wagen ..." Doch noch liegt man 1:2 zurück, woran sich bis zur Pause nichts änderte.

Diese hatte es dann auch in sich. Ein Ratespiel, veranstaltet von einem Duisburger Bahnhofskino, geriet zur Wiederauflage der Pisastudie. Gerade rechtzeitig war mein alter Kumpel Dirk Jarosch, seines Zeichens Referendar für Deutsch und Religion an einem Duisburger Gymnasium, eingetroffen, um die Anforderungen, die an ihn als zukünftigen Garanten der Allgemeinbildung an unseren Schulen gestellt werden, richtig einschätzen zu können: Astrid Lindgren wurde dort als Autorin des "Fliegenden Klassenzimmers" gehandelt. Wenn's nicht so traurig wär ....

Die Diskussionen um den Bildungsstand wurden erst durch den Anpfiff zur zweiten Halbzeit beendet. Der FC mühte sich weiterhin, den Rückstand zu egalisieren, doch irgendwie sah das zuweilen arg dilettantisch aus. Immerhin können sich die Kölner häufiger in der Nähe des MSV-Strafraums blicken lassen. In der 66. Minute ist es dann soweit. Gewühl im Duisburger 16er, ein Kölner (von meinem Platz aus nicht sichtbar, wer) wird gelegt. Kuhnis Direktverbindung zu Boomer gibt Aufschluss: Klarer Elfer, Foul gegen Voigt und die Rote Karte für den Übeltäter ebenfalls vollauf berechtigt.

Den Elfer versenkt Lotte, es steht 2:2 und noch sind mehr als 20 Minuten in Überzahl zu spielen. Kurz vor dem Abpfiff noch mal eine vielversprechende Aktion, doch einem Duisburger gelingt es noch, für seinen geschlagenen Torwart das Unentschieden zu retten. Kurz darauf der Schlusspfiff, wieder nicht verloren aber dennoch verlasse ich mit gemischten Gefühlen das Stadion. Hier wäre mehr als nur ein Unentschieden drin gewesen, aber andererseits kann der FC froh sein, dass es zu diesem noch gereicht hat.

Mit Dirk trete ich den Heimweg zu seinem neuen Domizil in Wedau an und verfolge noch die neuerliche Pleite der Pillen gegen die Lederhosen. Schade, dass es auch bei solchen Spielen immer nur einen Verlierer geben kann.

Ach ja, morgen schaue ich mal bei Bouvier vorbei und frage nach dem Buch von Astrid Lindgren "Das fliegende Klassenzimmer" ....

Hardcore

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