1. FC Köln - MSV Duisburg 4:3

Eine Minute oder: Grüße aus Manchester

Nach dem etwas mühsamen 1:0 Auswärtssieg in Karlsruhe sollte nun das erste Heimspiel vor der neuen Südtribüne stattfinden. Ich war schon gespannt wie ein Flitzebogen, wie sich denn dieses neue Bauwerk in die Landschaft, vor allem aber in das harmonische Ensemble eines Fußballplatzes einfügen möchte.

Als ich dann die Stufen zu Block drei erklomm, hielt ich erst einmal inne, was eine hübsche junge Dame, die man wohl aus dem Kino als Platzanweiserin angeworben hat, mich fragte, ob sie mir helfen könne. Ich muss wohl ziemlich unschlüssig und hilflos ausgesehen haben, dabei wollte ich nur diesen imposanten Anblick einer rot-weißen Tribüne auf mich wirken lassen. Besonders beeindruckend das Transparent, das 2/3 der Absperrung zum Spielfeld abdeckte: "Die Legende Südkurve erstrahlt in neuem Glanz". Und ich spürte, wie ein leiser Schauer mir über den Rücken ging, wie schon lange nicht mehr.

Die Mannschaftsaufstellung und die Begrüßung der Spieler ging also völlig an mir vorbei. Später stellte ich dann fest, dass die Startaufstellung bis auf eine Änderung die gleiche war wie in Karlsruhe, mit dem einzigen Unterschied, dass Sinkala von Beginn an dem Leder nachjagen und Kreuz sich schonen durfte.

Ich hatte mich gerade an die Atmosphäre gewöhnt und wollte mich auf das Spiel konzentrieren, da gibt es Einwurf für den MSV von der linken Seite, so ungefähr acht Meter von der Torauslinie entfernt. Der Ball fliegt hoch und vor allem weit bis an den kurzen Pfosten, ein Duisburger verlängert die Flugbahn parallel zur Torlinie um ca. zehn Meter, dort steht ein weiteres Zebra und setzt den Ball geschmeidig in die Maschen.

Was nun folgte, erinnerte stark an das Karlsruhe-Spiel. Der FC ständig um einen konstruktiven Spielaufbau bemüht, die Zebras bemüht, denselben zu unterbinden.

Die Folge: Viele Fehlpässe, Zweikämpfe, die mal hüben, mal drüben gewonnen wurden, aber nichts so richtig zwingendes. Ein schöner Flugkopfball von Scherz, den der MSV-Torwart noch so eben um den rechten Pfosten drehen konnte und ein steiler Pass auf Kurth, der aber, bevor Kurthi seine Fußspitze dran bekam, in den Fängen des MSV-Torwarts landete.

In der 27. Minute dann ein Freistoß von halblinks. Lottner lässt den Ball genüsslich in den Strafraum segeln. Dort steht neben einigen anderen Akteuren auch Christian Springer, der den Ball mustergültig von seinem Kopf aus in die Maschen segeln lässt. Ausgleich, 1:1 und die Südkurve bebt.

Etwa sieben Minuten später spielt Lotte den sich schön freilaufenden Scherz an, der umdribbelt in einer Manier, die mein Teenie-Idol Pierre Littbarski, mittlerweile Trainer des MSV, wohl an seine aktive Zeit beim 1. FC Köln erinnern durfte, noch zwei Abwehrspieler und donnert das Spielobjekt zum 2:1 ins MSV-Gehäuse.

Allerdings bleibt auch der MSV nicht ungefährlich, vor allem die Einwürfe, die gefährlicher als Flanken vor das Tor von Bade flattern, sorgen ein ums andere Mal für Verwirrung. Glücklicherweise springt für die Zebras nur ein Pfostenschuss heraus.

In der zweiten Halbzeit ließ das 4. Tor auch nicht lange auf sich warten. Wieder war Lottner der Vorbereiter, seinen Eckball versenkt Markus Happe.

Nun konnte ich mich also wie der Rest der Stadion-Insassen, sofern sie nicht Anhänger des MSV waren, dem gepflegten und entspannten Genuss hingeben, allenfalls unterbrochen durch das fröhliche Absingen kölschen Liedguts.

Dann aber kam jene Minute, die wohl alle FC-Fans mindestens so gerne aus diesem Spiel gestrichen hätten, wie die Bayern jene Nachspielzeit in Barcelona.

Hier war es die 61. Minute. Zweimal spielt der MSV den Ball flach in den Strafraum, zweimal scheint die Abwehr des FC im Tiefschlaf zu verharren, zweimal klebt Bade auf der Linie und zweimal schlägt das Leder im FC-Gehäuse ein. Das Spiel drohte zu kippen. Die Party, das bevorstehende Fußballschützenfest blieb aus.

Nun war wieder Hoffen und Bangen angesagt.

Aber diese Zeit des Bangens währte gerade mal 7 Minuten. Es gibt Einwurf von rechts, wieder hat Lottner den Ball, wieder eine dieser geschmeidigen Flanken und wieder steht Springer im Strafraum und köpft. Aus der Perspektive der Nordkurve sah dieser Kopfball einigermaßen misslungen zu sein, bedächtig schwebte er, scheinbar auch noch zu hoch angesetzt dem MSV-Keeper entgegen.

Doch im rechten Moment überlegte es sich das Leder anders, ging abrupt in Sinkflug über und streichelte dann unter lautem Getöse auf der Südtribüne die Maschen des MSV-Tores.

Mit etwas Glück (Bade, der m.E. heute einige Unsicherheiten zeigte, tauchte bei einer Flanke kurzerhand unter dem Ball durch) verteidigte den knappen Vorsprung und war zumindest für einen Tag SPITZENREITER.

Im Anschluss an das Spiel sollte eigentlich noch ein Treffen der Kölschen Liebe am Infostand vor dem Marathontor stattfinden, aber erst nach einigen vergeblichen Kontaktaufnahmen per Mobiltelefon kam es zu einem Wiedersehen mit den lieben Gefährten, das dann auch ordentlich in einem Biergarten am Aachener Weiher begossen wurde.

Hardcore

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